Demenz bei Katzen

Wenn die vertraute Welt plötzlich fremd wird

Eine Demenzerkrankung stellt das Leben der Angehörigen meist vollständig auf den Kopf. Die erkrankte Person erinnert sich nicht mehr an Namen oder erkennt ihre Angehörigen gar nicht mehr. Eine Situation, die sehr stressbehaftet und schmerzhaft sein kann. Weniger bekannt, aber ebenso schmerzlich kann eine Demenzerkrankung bei einer geliebten Katze sein.

Können Katzen dement werden?

Genau wie Menschen können auch Katzen im Alter Veränderungen ihrer geistigen Leistungsfähigkeit entwickeln.

Betroffen sind insbesondere ältere Katzen ab etwa elf Jahren. Die Erkrankung wird als kognitives Dysfunktionssyndrom (CDS) bezeichnet und kann sich auf das Gedächtnis, die Orientierung, das Schlafverhalten und die sozialen Interaktionen des Tieres auswirken.

Wichtig ist aber: Nicht jede ältere Katze entwickelt eine Demenz. Wie bei uns Menschen sind manche betroffen, andere allerdings nicht.

Wie erkennt man die CDS bei Katzen?

Es gibt einige Anhaltspunkte, anhand derer man eine Demenz bzw. CDS bei Katzen erkennen kann. So kann eine Erkrankung möglichst früh erkannt werden. Das CDS ist insgesamt eine schleichende Erkrangung. Es werden nicht alle Symptome plötzlich zusammen auftreten, können sich aber im Verlauf der Zeit vermehren und häufiger auftreten.

Ein erstes Anzeichen kann beispielsweise Orientierungslosigkeit sein: Die Katze wirkt in eigentlich vertrauten Räumen verloren oder findet gewohnte Wege nicht mehr. Auch vermehrtes Miauen in der Nacht kann ein Zeichen für CDS sein, vor allem, wenn die Katze bisher ruhig geschlafen hat und nachts kaum gemiaut hat. Hinzu kann eine Veränderung des Schlafrythmus treten, bei der die Katze tagsüber viel schläft, nachts aber viel herumläuft.

Zieht sich eine eigentlich anhängliche Katze vermehrt zurück oder wird eine eher distanzierte Katze anhänglicher oder reizbarer, kann dies ein Anzeichen für ein verändertes Sozialverhalten sein. Auch Unsauberkeit, also wenn eine Katze das Katzenklo nicht mehr oder seltener zuverlässig benutzt, wird zu den typischen Indikatoren gezählt.

Wenn eine Katze weniger spielt, teilnahmslos wirkt oder wiederholte und ziellose Bewegungen zeigt, sollte man aufmerksam werden. Eine Veränderung der Aktivität kann ebenfalls ein Anzeichen für eine CDS-Erkrankung sein, ebenso wie eine Veränderung des Lern- und Erinnerungsvermögens.

Ebenso können Angst, Reizbarkeit, verändertes Putzverhalten und Appetitveränderungen auftreten.

Einzelne Symptome können allerdings noch keine CDS belegen. Treten einzelne Symptome auf, ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Es sollte beobachtet werden, ob auch andere Symptome auftreten. Wichtig ist es, die Symptome immer mit Fachpersonal zu erörtern.

Handelt es sich um Demenz oder eine andere Erkrankung?

Die oben genannten Symptome können zwar auf CDS, aber auch auf andere Erkrankungen, die häufiger bei älteren Katzen auftreten, hinweisen.

So kann das nächtliche Miauen beispielsweise durch Schmerzen, Bluthochdruck oder eine Schilddrüsenüberfunktion verursacht werden. Unsauberkeit kann auf Erkrankungen der Harnwege oder Nierenprobleme hinweisen. Auch Gelenkschmerzen, die den Gang zum Katzenklo erschweren, können die Ursache sein.

Ein nachlassendes Seh- oder Hörvermögen kann ebenso die Ursache für Orientierungslosigkeit sein.

Für alle Symptome kommen auch andere neurologische Erkrankungen als Auslöser in Betracht.

Daher ist es immer wichtig, jegliche Art von ungewöhnlichem Verhalten zunächst mit einem Tierarzt abzusprechen. Eine CDS kann erst diagnostiziert werden, wenn andere mögliche Ursachen ausgeschlossen wurden.

Wie wird das CDS bei Katzen festgestellt?

Bei der Diagnose spielen die Beobachtungen der Katzenhalter eine besonders wichtige Rolle. In der Regel fragen Tierarztpraxen zunächst nach Veränderungen im Alltag und dem zeitlichen Verlauf, also wie oft die Veränderung beobachtet werden konnte und ob sie häufiger wird.

Anschließend werden körperliche und neurologische Untersuchungen sowie Blut- und Urintests durchgeführt. Diese dienen dazu, andere Erkrankungen auszuschließen. Vor allem die oben genannten Erkrankungen können in ihren Symptomen leicht mit Demenz verwechselt werden.

Wurden alle dadurch erkennbaren Krankheiten ausgeschlossen, können weitere Untersuchungen, wie beispielsweise Blutdruckmessungen, durchgeführt werden.

Wenn bei all diesen Tests nichts gefunden wird und die oben genannten Sypmtome vorliegen, ist die Diagnose CDS sehr wahrscheinlich.

Einen eindeutigen Test für Demenz bei Katzen gibt es noch nicht.

Wie kann einer dementen Katze geholfen werden?

Wenn die Diagnose erst einmal gestellt wurde, fragen sich die meisten Katzenhalter, wie sie ihrem Tier das Leben erleichtern können.

Dabei sollten in erster Linie Routine und eine vertraute Umgebung im Vordergrund stehen. Eine leichte Erreichbarkeit von Futter, Wasser und Katzenklo kann dem Tier die Nutzung deutlich erleichtern. Auch das Aufstellen weiterer Katzenklos mit niedrigen Einstiegen kann die Hygiene verbessern.

In der Nacht können sanfte Leuchten die Orientierung der Katze erleichtern. Tagsüber kann man die Katze mit ruhiger Beschäftigung und altersgerechter geistiger Anregung unterstützen.

Wichtig ist, nicht mit der Katze zu schimpfen, wenn sie sich ungewöhnlich verhält. Stattdessen sollten Geduld und Zuwendung im Vordergrund stehen. Treten beim Tier Schmerzen oder andere Begleiterkrankungen auf, müssen diese unbedingt behandelt werden.

So kann der Alltag für das Tier insgesamt so leicht wie möglich gestaltet und seine Lebensqualität erhöht werden. Auch wenn CDS noch nicht direkt behandelt oder geheilt werden kann.

Wie verändert CDS die Beziehung zwischen Mensch und Katze?

CDS kann das Verhältnis zwischen Mensch und Katze belasten. Die Katze verhält sich anders als früher und vertraute Rituale werden nur noch schwer oder gar nicht mehr angenommen.

Manche Katzen benötigen in dieser Situation zusätzliche Unterstützung und Sicherheit. Das kann für die Halter im Alltag anstrengend und belastend sein. Wichtig ist, die Veränderungen im Verhalten nicht als Ungehorsam oder Ablehnung zu interpretieren. Die Katze hat nicht plötzlich eine Abneigung gegen eine vertraute Person entwickelt. Sie weiß es einfach nicht besser. Auch wenn die fehlende Zuneigung schmerzhaft sein kann.

Wichtig ist es bei alledem aber, nicht zu vergessen, dass auch eine kognitiv beeinträchtigte Katze weiterhin Nähe, Geborgenheit und schöne Momente erleben und genießen kann.

Eine ältere Katze, die nachts ruft oder plötzlich unsauber wird, ist nicht automatisch dement. Ihr Verhalten sollte jedoch Aufmerksamkeit bekommen und es sollte nach weiteren Symptomen Ausschau gehalten werden. Dennoch ist nicht sofort Panik geboten. Viele Symptome können auch auf eine andere, gut behandelbare Krankheit hinweisen.

Vielleicht erkennt eine alte Katze nicht mehr jeden eigentlich vertrauten Weg. Wir können jedoch dafür sorgen, dass sie sich auf diesem Weg weiterhin sicher und geborgen fühlt. Auch wenn diese Zeit für uns genauso schwer sein kann.

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