Können Tiere erkennen, wenn ein anderes Tier stirbt?

Zwei Hunde haben jahrelang zusammengelebt. Sie haben gespielt, nebeneinander geschlafen und gemeinsam auf ihre Menschen gewartet. Dann stirbt einer von ihnen. Der andere sucht plötzlich häufiger die vertrauten Plätze auf, wirkt unruhig oder zieht sich zurück. Vermisst er seinen Gefährten? Weiß er, dass dieser gestorben ist? Und können Tiere überhaupt trauern?

Können Hunde und Katzen den Tod erkennen?

Grundsätzlich nehmen Hunde und Katzen Veränderungen ihrer tierischen Gefährten sehr genau wahr. Sie reagieren auf Gerüche, Bewegungen, Körpertemperatur und das Verhalten ihrer Artgenossen.

Stoßen sie also auf ein verstorbenes Tier, erkennen sie, dass es anders riecht und sich anders verhält als zuvor. Hunde können mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn körperliche Veränderungen besonders gut wahrnehmen.Oft lässt sich bereits bei einer schweren Krankheit oder ähnlich gravierenden Veränderungen bei einem Hund oder einer Katze wahrnehmen, wie ihre Artgenossen plötzlich anders auf sie reagieren oder sich sogar auf ihre eigene Art um sie kümmern.

Sie nehmen wahr, dass der Gefährte fehlt oder sich fundamental verändert. Ob sie jedoch tatsächlich verstehen, dass der Tod endgültig und unumkehrbar ist, konnte bislang wissenschaftlich nicht belegt werden.

Können Tiere um einen Artgenossen trauern?

Es gibt Hinweise darauf, dass Hunde und Katzen nach dem Verlust eines vertrauten tierischen Gefährten Verhaltensänderungen zeigen. Eine im Jahr 2022 in Scientific Reports veröffentlichte Studie untersuchte das Verhalten von 426 Hunden nach dem Tod eines weiteren Hundes im gemeinsamen Haushalt und Hunden, zu denen eine enge Beziehung bestand. Viele Halter:innen berichteten über Veränderungen, insbesondere beim Spielverhalten, beim Schlaf, beim Fressen und beim Bedürfnis nach Nähe.

Auch eine im Jahr 2024 in „Applied Animal Behaviour Science” veröffentlichte Untersuchung zu Katzen beschrieb vergleichbare Beobachtungen nach dem Verlust eines tierischen Gefährten. Allerdings beruhen solche Studien zu wesentlichen Teilen auf den Angaben der Tierhalter:innen. Daher lässt sich nicht eindeutig feststellen, ob die Tiere tatsächlich Trauer im menschlichen Sinne erleben oder auf veränderte soziale Beziehungen und Tagesabläufe reagieren.

Woran erkennt man, dass ein Tier einen Gefährten vermisst?

Bei Hunden und Katzen lassen sich unterschiedliche Merkmale beobachten.

Hunde suchen in der Regel vor allem nach ihrem verstorbenen Gefährten und werden weniger aktiv. Oft lassen sich auch Veränderungen im Schlaf- und Fressverhalten sowie eine vermehrte Anhänglichkeit beobachten. Insgesamt können sie sich häufiger zurückziehen und Unruhe zeigen, vor allem durch vermehrte Lautäußerungen.

Bei Katzen lässt sich häufig vermehrtes Miauen oder suchendes Verhalten beobachten. Wie bei Hunden verändern sie häufig auch ihren Fressrhythmus. Auch sie können Unruhe zeigen, obwohl sie oft mehr schlafen. Weiterhin zeigen sie wie Hunde oft eine Veränderung ihres Kontaktbedürfnisses und ziehen sich vermehrt zurück. Oft zeigen sie auch weniger Interesse am Spielen.

Wichtig ist allerdings festzuhalten, dass nicht alle Tiere diese Veränderungen zeigen. Manche verhalten sich nahezu unverändert. Das bedeutet nicht, dass keine enge Bindung zu dem verstorbenen Tier bestanden hat.

Sollten Hunde und Katzen ihre verstorbenen Gefährten noch einmal sehen?

Manche Tierhalter möchten ihren Hunden oder Katzen ermöglichen, den verstorbenen Gefährten noch einmal zu beschnuppern. Dabei können die Tiere unterschiedlich reagieren. Das reicht von Schnüffeln über Abstand halten und kurzem Verweilen bis hin zu scheinbarem Desinteresse. Es ist denkbar, dass die Wahrnehmung des Körpers dem Tier noch einmal zusätzliche Informationen liefert. Bislang gibt es allerdings noch keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass ein solcher Abschied die Trauer oder die Anpassung an den Verlust erleichtert.

In dieser Situation sollte das Tier selbst entscheiden dürfen, ob es sich dem verstorbenen Artgenossen noch einmal nähern möchte oder nicht. Der Kontakt sollte also nicht erzwungen werden. Wichtig ist auch, bei ansteckenden Erkrankungen oder anderen hygienischen Risiken durch das tote Tier zusätzlichen Rat von einem Tierarzt einzuholen, um sicherzustellen, dass der Abschied nicht gefährlich für den Hund oder die Katze wird.

Wie können Menschen ihrem Tier nach einem Verlust helfen?

Als Tierhalter möchten wir unseren zurückgebliebenen Tieren die Trauer so leicht wie möglich machen. Dazu kann es helfen, die gewohnten Tagesabläufe nach Möglichkeit erst einmal beizubehalten. Auch die gewohnten Ruheplätze und Rückzugsmöglichkeiten sollten erhalten bleiben. Viel Unterstützung bieten wir, wenn wir Nähe anbieten, aber nicht erzwingen. Manchmal kann es auch helfen, angemessene Beschäftigung und Bewegung als Ablenkung zur Verfügung zu stellen.

Wir sollten insbesondere ein genaues Auge auf Verhaltensveränderungen haben. Langes Verweigern von Nahrung kann beispielsweise gefährlich werden und sollte bei einem Tierarzt abgeklärt werden. Es ist auch wichtig, nicht vorschnell ein neues Tier als Ersatz anzuschaffen. Dieser Impuls liegt zwar nahe, kann die trauernden Tiere aber überfordern.

Was können wir über die Bindung zwischen Tieren daraus lernen?

Hunde und Katzen können enge soziale Beziehungen zu anderen Tieren aufbauen. Sie teilen Ruheplätze, spielen miteinander, pflegen teilweise gegenseitig ihr Fell und entwickeln gemeinsame Routinen. Verschwindet ein vertrauter Gefährte, verändert sich deshalb nicht nur die Zusammensetzung des Haushalts, sondern möglicherweise auch das soziale Umfeld des zurückbleibenden Tieres. Ob Tiere Trauer dabei so empfinden wie wir Menschen, bleibt offen. Dass soziale Beziehungen für ihr Wohlbefinden eine große Rolle spielen können, ist hingegen gut belegt.

Vielleicht wissen wir nicht, ob Tiere den Tod so verstehen wie wir. Aber vieles spricht dafür, dass auch für sie ein vertrauter Gefährte mehr ist als nur ein anderes Tier.

Weil jedes Tier einen würdevollen Abschied verdient

Hier findest du alles für eine achtsame Planung: Kremierungsantrag, Vorsorge und persönliche Begleitung – respektvoll, transparent und in sicheren Händen.