Was möchte mein Hund mir sagen? Körpersprache richtig verstehen

Jeder Hundebesitzer kennt es: Der eigene Hund wedelt mit dem Schwanz, gähnt, legt den Kopf schief oder leckt sich über die Nase. Diese Gesten sind uns vertraut, aber nicht immer wissen wir, was unser vierbeiniger Freund uns damit sagen möchte. Oftmals interpretieren wir diese Gesten sogar völlig falsch.

Hunde kommunizieren wie wir Menschen ständig. Nur eben ohne Worte.

Der ganze Körper spricht

Oft beobachtet man vor allem den Schwanz und die Ohren des Hundes. Man hat irgendwann einmal gelernt, dass Schwanzwedeln Freude bedeutet und angelegte Ohren Stress oder Erwartung signalisieren.

Das trifft es jedoch nicht ganz: Wichtig ist es, den gesamten Körper des Tieres zu beobachten. Erst aus dem Gesamtbild ergibt sich dann die tatsächliche Aussage. Neben den klassischen Signalen „Schwanz und Ohren“ sind auch die Augen (bzw. der Blick), die Haltung des Mauls, die gesamten Bewegungen und der Abstand zum Gegenüber wichtig. Auch die gesamte Körperhaltung und die Muskelspannung können viel verraten.

Andere Rassen können anders kommunizieren. So kann ein Labrador seinen Stress durch andere Zeichen ausdrücken als ein Border Collie oder ein Rottweiler.

Der Schwanz: Wedeln bedeutet nicht automatisch Freude.

Wenn ein Hund mit dem Schwanz wedelt, denken viele Menschen automatisch an Freude. Das stimmt aber nicht immer. Vielmehr kommt es auf die Art des Wedelns und die gesamte Situation an.

Grundsätzlich drückt Wedeln Erregung und Aktivität aus. Dabei kann sowohl ein steifes als auch ein lockeres Wedeln zu sehen sein. Das eher steife Wedeln zeigt dabei Stress und Anspannung, das lockere kann tatsächlich für Freude, positive Aufregung oder Erwartung stehen.

Auch die Position des Schwanzes ist aussagekräftig. Wenn der Schwanz sehr weit oben und eher steif wedelt, ist das ein eindeutiges Zeichen für hohe Aufmerksamkeit und sogar Konfliktbereitschaft. Ein zwischen die Beine gezogener Schwanz drückt meist Angst und starkes Unwohlsein aus. Ein breites, lockeres Wedeln auf mittlerer Höhe symbolisiert tatsächlich Freude und Kontaktbereitschaft.

Augen, Ohren und Gesicht erzählen viel

Auch im Gesicht des Hundes lässt sich viel ablesen. Ein weicher Blick und lockere Gesichtszüge stehen etwa für Entspannung und Wohlbefinden. Wendet er den Blick ab, will er oft Unterwerfung und Konfliktentschärfung bewirken.

Ein starrer und fixierender Blick bedeutet hingegen hohe Aufmerksamkeit und in Konfliktsituationen auch ein Distanzsignal. Dabei können auch die sogenannten Whale Eyes zu sehen sein: Der Hund dreht seinen Kopf weg, behält aber etwas Bestimmtes weiterhin im Auge, sodass das Weiße in den Augen sichtbar wird. Dies ist ein Zeichen für Unbehagen, Stress und Unsicherheit.

Die Ohren sind ein ebenso wichtiges Kommunikationsmittel. Sind sie nach vorne gerichtet und treten in Kombination mit einer steifen Körperhaltung auf, zeigt der Hund Anspannung, Fokus auf beispielsweise Beute oder auch Spielbereitschaft. Richtet er sie jedoch nach hinten, will er Beschwichtigung bewirken oder eine freudige Begrüßung unterstreichen. Je nachdem, welche anderen Signale hinzukommen, können sie aber auch für Unsicherheit und Angst stehen. Wie bei allen Anzeichen ist es daher wichtig, das Gesamtbild zu betrachten.

Das Lecken über die Nase oder die Lefzen ist ein weiteres Anzeichen für Stress in angespannten Situationen. Es kann aber auch andere wichtige Ursachen haben wie Übelkeit und Schmerz. Ebenso kann es jedoch nur der reinen Pflege dienen. Das Hochziehen der Lefzen kommuniziert uns Aggression und Konfliktbereitschaft. Ein locker geöffnetes Maul hingegen zeichnet sich durch Entspannung aus.

Die leisen Signale: Mir wird das gerade zu viel

Für Hundehalter ist es besonders entscheidend, zu erkennen, wann der Hund gerade etwas Abstand braucht oder unter Stress steht. Wendet der Hund den Kopf ab und vermeidet den Blickkontakt, will er uns genau das sagen: „Ich brauche gerade etwas mehr Ruhe.“ Auch die oben genannten Stresssignale sollten beachtet werden. Diese gehen häufig mit Gähnen zur Selbstregulierung, plötzlichem Schnüffeln oder einem vergrößerten Abstand zum Halter einher.

Es ist aber immer wichtig, die gesamte Körperhaltung zu beobachten. Nicht jedes Signal allein sollte als klares Anzeichen gesehen werden, sondern das gesamte Bild, das der Hund gerade vermittelt.

Wenn aus leisen Signalen deutliche werden

Wenn Hunde merken, dass ihre leiseren Anzeichen für Stress und Anspannung ignoriert werden oder wenn die Situation sehr plötzlich stressig wird, werden auch ihre Signale an uns unmissverständlich. Zunächst weicht er aus und zeigt seine Anspannung. Bleibt die Situation dann weiterhin stressbehaftet, kann es zum Erstarren, Knurren und sogar zum Zähnezeigen und Schnappen kommen. Eskaliert die Situation aus Sicht des Hundes völlig, beißt er auch zu.

Wichtig ist es aber, dies nicht als abschließende Eskalationsleiter zu verstehen. Jeder Hund und jede Situation ist anders. So kann der Hund auch Stufen überspringen oder beim Zähnezeigen bleiben. Vor allem bei Welpen kann das Beißen und Schnappen auch eine einfache Aufforderung zum Spielen sein. Wichtig ist es, den eigenen Hund immer zu kennen und zu verstehen. Dann erkennt man früh, wenn der Hund unter Anspannung steht, und kann für eine ruhigere Atmosphäre sorgen und Eskalationen vermeiden.

Warum Knurren wichtig ist

Wenn der Hund plötzlich knurrt, insbesondere, wenn er sich direkt auf einen Menschen richtet, ist der erste Impuls oft, dies zu unterbinden. Er soll schließlich niemanden bedrohen.

Das ist jedoch nicht immer richtig, denn das Knurren ist in erster Linie eine Form der Kommunikation gegenüber den vertrauten Menschen. Der Hund möchte uns mitteilen: „Das ist mir gerade unangenehm“ oder „Hör auf“. Viel wichtiger und effektiver ist es daher, die Ursache des Knurrens auszumachen. Wenn der Hund zum Beispiel gerade von jemandem berührt wird, dem er noch nicht vertraut, kann es helfen, diese Person zu bitten, ihn erst einmal in Ruhe zu lassen.

Es sollte also nicht immer gleich als Übertreibung des Hundes abgetan werden. Vielmehr sollte man anhand der Situation entscheiden, was das Knurren auslöst. Erst dann kann entschieden werden, ob man es unterbinden oder den Hund aus der Situation nehmen sollte.

Und wie sieht ein entspannter Hund aus?

Auch die Entspannung des Hundes sollten wir als solche erkennen können. Wenn sich seine Muskulatur lockert und er sich ganz locker und natürlich bewegt, zeigt er uns, dass er sich wohlfühlt. Weiche Gesichtszüge, freiwillige Annäherung und ein entspanntes Erkunden der Umgebung sind Zeichen des Vertrauens gegenüber Menschen und der Umgebung, in der sich der Hund gerade befindet. Wenn ein Hund zum Spielen auffordert, dann heißt das auch, dass er sich wohlfühlt und ausgelassen sein kann.

In diesen Situationen ist es gut, die Annäherung zu erwidern und auf das Spiel einzugehen. So lernt der Hund: „Ich bin hier willkommen und darf mich entspannen.” Das ist insbesondere bei Hunden hilfreich, die gerade erst in eine neue Umgebung eingezogen sind, um Vertrauen aufzubauen.

Fünf Körpersignale, die wir häufig falsch verstehen

Schwanzwedeln:

Wenn ein Hund mit dem Schwanz wedelt, denken wir sofort, dass er sich freut. Das stimmt aber nicht immer. Es kommt immer auf die Gesamtbewegung des Körpers, aber auch auf die genaue Variante des Wedelns an.

Gähnen:

Wenn Hunde gähnen, schließen wir aus unserer Erfahrung, dass sie müde sind. Das kann zwar zutreffen, ist aber oft auch ein wichtiger Teil der Stressregulierung.

Auf den Rücken legen:

Wenn sich Hunde auf den Rücken legen, ist uns klar, was sie möchten: Bauchkraulen! Wichtig ist jedoch die gesamte Situation. Wenn der Hund vorher entspannt war und keine Anzeichen für Stress oder Unwohlsein zeigt, dann stimmt diese Annahme. Treten allerdings solche Anzeichen auf, kann es sich auch um eine Form der Beschwichtigung handeln und der Hund möchte möglicherweise mitteilen, dass er dem Konflikt aus dem Weg gehen möchte.

Knurren:

Wenn wir von einem Hund angeknurrt werden, denken wir oft, er sei aggressiv. Meistens soll uns aber signalisiert werden, dass die Umgebung gerade zu stressig ist und etwas nicht stimmt.

Wegdrehen:

Dreht ein Hund den Kopf weg, wenn wir ihm etwas entgegenhalten, dann ist uns klar, dass er sich wohl nicht dafür interessiert. Gerade wenn das sehr häufig vorkommt, obwohl eigentlich ein enges Verhältnis besteht, sollte man aber aufmerksam werden. Das Wegdrehen kann dann auch ein Signal für Distanz sein und der Reduzierung sozialen Drucks dienen.

Stillhalten:

Wenn ein Hund gebürstet oder gebadet wird, gibt es oft einen Punkt, an dem er dann doch einfach stillhält. Wir denken dann: Er lässt es sich jetzt gefallen. Das Einfrieren und Erstarren ist jedoch ein weiteres Anzeichen für großen Stress und Angst. Dann kann es sich lohnen, es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu versuchen, statt den Hund zu großem Stress auszusetzen.

Je besser wir die Körpersprache unserer Hunde verstehen, desto früher erkennen wir nicht nur ihr Wohlbefinden, sondern auch ihre Unsicherheit und die Grenzen, die sie uns aufzeigen.

Ein Hund muss nicht sprechen können, damit wir ihn verstehen. Wir müssen nur lernen, genauer hinzusehen.

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